Entwurf von Neuberger Digital. Grau gestreifte Flächen werden durch Fotos und Angaben des Betriebs ersetzt.

Smart Home im Neubau: Was Sie bei der Planung wissen müssen

Bus oder Funk, sinnvolle Funktionen und die richtige Vorbereitung im Rohbau: ein sachlicher Leitfaden für die Smart-Home-Planung im Neubau.

Von Wladislaw Neuberger, Geschäftsführer Neuberger Elektrotechnik Veröffentlicht Aktualisiert

Ein Neubau ist ein guter Zeitpunkt, um ein Smart Home zu planen: nicht als Spielerei, sondern als Infrastruktur für Licht, Beschattung, Heizung und Energie. Im Neubau lassen sich Leitungen, Dosen und Verteiler ohne Stemmarbeiten setzen. Wer erst nach dem Einzug nachrüstet, muss Wände öffnen, Leitungen nachziehen und Dosen tauschen oder ist auf Funk angewiesen.

Dieser Leitfaden zeigt, was Sie entscheiden sollten, bevor der Rohbau steht.

Warum die Planung vor dem Rohbau zählt

Ein Smart Home funktioniert nur zuverlässig, wenn die bauliche Grundlage stimmt:

  • Leerrohre und Busleitungen müssen vor dem Verputzen liegen. Nachträglich ist das nur mit erheblichem Aufwand möglich.
  • Tiefere Unterputzdosen sind nötig, wenn Aktoren, also kleine Steuermodule, direkt hinter Schaltern sitzen sollen. Übliche Gerätedosen sind rund 40 bis 47 mm tief, Elektronikdosen für Aktoren rund 60 mm und mehr.
  • Ein Technikschrank im Hauswirtschaftsraum oder Keller braucht Platz und eine eigene Stromversorgung. Jede Erweiterung des Systems belegt dort weiteren Raum.
  • Netzwerk-, Bus- und TV-Leitungen sollten zusammen mit der übrigen Elektroinstallation geplant werden, nicht danach.

Den Rahmen dafür setzt DIN 18015-4 (Ausgabe 2022-08) zur Gebäudesystemtechnik in Wohngebäuden. Sie legt fest, was Bauherr und Elektroplaner vereinbaren sollten, und enthält Mindestanforderungen für die Installation oder Vorbereitung. Die Richtlinie RAL-RG 678 ergänzt die Ausstattungswerte für die Elektroinstallation um die Stufen 1plus (Vorbereitung für Gebäudesystemtechnik), 2plus (mindestens ein Funktionsbereich ausgeführt) und 3plus (mindestens zwei Funktionsbereiche ausgeführt).

Bus oder Funk: die Grundentscheidung

Diese Entscheidung bestimmt alles Weitere. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, aber nicht in jedem Gebäude.

Leitungsgebundene Bussysteme

Bei einem Bussystem sind Taster, Sensoren und Aktoren über eine gemeinsame Datenleitung verbunden. Der verbreitete offene Standard ist KNX. Nach Angaben der KNX Association wird er seit über 30 Jahren eingesetzt und von mehr als 500 Herstellern mit über 8.000 Produkten unterstützt, die markenübergreifend zusammenarbeiten. KNX ist als europäische Norm (EN 50090) und internationale Norm (ISO/IEC 14543-3) festgelegt. Die Kernfunktionen laufen lokal im Haus und sind nicht auf eine ständige Internetverbindung angewiesen.

Vorteile:

  • Zuverlässige Übertragung ohne Funkstörungen
  • Keine Batterien in den fest installierten Busgeräten
  • Geräte verschiedener Hersteller lassen sich kombinieren
  • Auch umfangreiche Automatisierungen sind möglich

Nachteile:

  • Die Busleitung muss im Rohbau verlegt werden
  • Höherer Planungs- und Programmieraufwand
  • Höhere Anfangskosten als bei einfachen Funklösungen

Funksysteme

Systeme auf Basis von Zigbee, Z-Wave oder WLAN brauchen keine eigene Leitung und lassen sich nach dem Einzug ergänzen.

Vorteile:

  • Flexibel und einfach erweiterbar
  • Geringere Anfangskosten
  • Gut geeignet für Bestandsgebäude und Mietwohnungen

Nachteile:

  • Reichweite und Funkstörungen können Probleme bereiten
  • Batteriebetriebene Sensoren und Taster brauchen regelmäßig neue Batterien
  • Je nach Hersteller abhängig von dessen Internetdiensten und App

Einordnung: Im Neubau spricht viel für eine Busleitung als feste Grundlage, ergänzt durch Funk dort, wo Flexibilität wichtiger ist. In Bestandsgebäuden ist Funk oft die praktikablere Lösung. Mehr zu unseren Lösungen finden Sie auf der Seite Smart Home.

Welche Funktionen sich lohnen

Nicht jede Funktion bringt im Alltag denselben Nutzen. Eine Einschätzung:

Lichtsteuerung

Dimmen, Lichtszenen und Präsenzmelder statt Taster werden täglich genutzt. Praktisch sind ein zentrales Ausschalten beim Verlassen des Hauses und Licht, das sich nach dem Tageslicht richtet. Mehr dazu im Ratgeber Beleuchtung richtig planen.

Beschattung

Rollläden und Raffstores, die auf Sonnenstand, Temperatur und Wind reagieren, halten das Haus im Sommer kühler und lassen im Winter Sonnenwärme herein. Besonders sinnvoll ist das in Verbindung mit der Heizungsregelung.

Heizung

Raumweise Temperaturregelung und Absenkung bei Abwesenheit sparen Energie. Mit einer Wärmepumpe lässt sich die Heizung zusätzlich so steuern, dass sie bevorzugt läuft, wenn die eigene Photovoltaikanlage Strom liefert oder der Strom günstig ist.

Energiemanagement

Wer Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wallbox und Wärmepumpe kombiniert, profitiert von einem Energiemanagementsystem. Es entscheidet, wann das Auto mit Solarstrom lädt, wann der Speicher geladen wird und wann die Wärmepumpe läuft. Laut Verbraucherzentrale lässt sich der Eigenverbrauch des Solarstroms mit einem Batteriespeicher auf 50 bis 60 Prozent erhöhen; wird zusätzlich ein Elektroauto über die Wallbox geladen, ist noch mehr möglich.

Zwei Regeln machen das Energiemanagement zusätzlich interessant:

  • Dynamische Stromtarife: Seit 2025 müssen alle Stromlieferanten einen dynamischen Tarif anbieten, dessen Preis sich am Börsenstrompreis orientiert. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem. Ein Energiemanagement kann Verbraucher dann in günstige Stunden verschieben.
  • Steuerbare Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG): Neue Wärmepumpen und Wallboxen mit mehr als 4,2 kW muss der Netzbetreiber bei drohender Überlastung vorübergehend auf 4,2 kW begrenzen können. Ein Energiemanagementsystem darf die Leistung mehrerer Geräte im Haus dabei gemeinsam verrechnen, und Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage zählt nicht mit.

Mehr dazu auf der Seite Photovoltaik und im Solarrechner.

Türkommunikation und Zugang

Video-Türsprechanlage, elektronisches Türschloss und Garagentor lassen sich einbinden. Je nach System sehen Sie auf dem Smartphone, wer klingelt, auch wenn Sie nicht zu Hause sind.

Sicherheitstechnik

Fensterkontakte, Bewegungsmelder und eine Alarmanlage als Teil des Systems geben einen Überblick über den Zustand des Hauses. In Verbindung mit der Lichtsteuerung kann bei Abwesenheit eine Anwesenheit simuliert werden.

Musik in mehreren Räumen

Musik in jedem Raum per Taster oder Sprachbefehl ist angenehm, aber verzichtbar. Wer sie möchte, sollte die Lautsprecherleitungen im Rohbau einplanen, weil ein nachträgliches Verlegen aufwendig ist.

Vorbereitung auch ohne sofortige Umsetzung

Sie möchten sich die Möglichkeit offenhalten, aber noch nicht alles sofort umsetzen? Das ist eine vernünftige Entscheidung, wenn die Vorbereitung stimmt:

  • Leerrohre von den Schalterstellen zum Technikschrank legen, auch wenn sie zunächst leer bleiben
  • Busleitung mitverlegen; bei KNX ist das in der Regel die grün ummantelte Leitung J-Y(St)Y 2x2x0,8
  • Tiefere Unterputzdosen zumindest in Wohn- und Schlafräumen als Standard verwenden
  • Technikschrank mit ausreichend Platz und eigener Zuleitung vorsehen
  • Netzwerkdosen in jedem Raum setzen und sternförmig zum Technikschrank führen
  • Reserveplätze im Stromkreisverteiler freihalten

Die RAL-RG 678 fasst die Vorbereitung für Gebäudesystemtechnik im Ausstattungswert 1plus zusammen; was im Einzelnen dazugehört, regelt DIN 18015-4.

Häufige Planungsfehler

Zu wenige Leerrohre: Schaltstellen werden einzeln geplant, aber die Verbindung zum zentralen System fehlt. Später lässt sich zum Beispiel die Küche nicht an den Bus anbinden.

Zu flache Unterputzdosen: Übliche Gerätedosen reichen für Aktoren hinter dem Schalter oft nicht aus. Das fällt erst auf, wenn die Steuermodule eingebaut werden sollen.

Zu kleiner Technikschrank: Ein zu kleiner oder ungünstig gelegener Schrank erschwert jede Erweiterung.

Fehlende Abstimmung: Smart Home betrifft nicht nur die Elektroinstallation. Wer Heizung, Beschattung und Alarmanlage einbinden will, muss alle Gewerke früh abstimmen.

Systementscheidung zu spät: Wer sich erst nach dem Rohbau für ein Bussystem entscheidet, kann die Leitungen nicht mehr wirtschaftlich nachrüsten.

Was Smart Home im Neubau kostet

Die Kosten hängen vor allem von der Zahl der Räume, den gewünschten Funktionen und dem System ab. Ein Bussystem kostet in der Anschaffung mehr als eine einfache Funklösung. Die reine Vorbereitung im Rohbau mit Leerrohren, Busleitung und tieferen Dosen kostet deutlich weniger als ein vollständiges System und hält Ihnen beide Wege offen.

Am besten erstellen Sie vorab eine Liste: Welche Funktion wünschen Sie sich in welchem Raum, was ist Ihnen wichtig, was ist verzichtbar? Auf dieser Grundlage lässt sich ein belastbares Angebot erstellen.

Planung mit uns

Neuberger Elektrotechnik plant und installiert Smart Home mit KNX oder Funk, im Neubau in Verbindung mit der übrigen Elektroinstallation im Neubau. Wenn Sie schon konkrete Vorstellungen haben oder erst die Möglichkeiten klären möchten, erreichen Sie uns über die Kontaktseite.

Quellen

  1. KNX Association: Was ist KNX?
  2. Baunetz Wissen: KNX-Bussystem
  3. DIN Media: DIN 18015-4:2022-08, Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Teil 4: Gebäudesystemtechnik
  4. HEA: RAL-RG 678, Anforderungen an elektrische Anlagen in Wohngebäuden (Ausgabe Februar 2023)
  5. Verbraucherzentrale: Photovoltaik: Was bei der Planung einer Solaranlage wichtig ist (Stand 26.08.2026)
  6. Bundesnetzagentur: Dynamische Stromtarife
  7. Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG

Weitere Ratgeber

Fragen zu Ihrem Vorhaben?

Erreichbar Mo bis Fr 7 bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten schreiben Sie uns per WhatsApp oder über das Formular.