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Elektroinstallation im Neubau: Was Sie bei der Planung beachten sollten

Steckdosen, Netzwerk, Wallbox, Photovoltaik und Zählerschrank: Was Sie im Neubau früh festlegen sollten, mit Richtwerten aus DIN 18015 und RAL-RG 678.

Von Wladislaw Neuberger, Geschäftsführer Neuberger Elektrotechnik Veröffentlicht Aktualisiert

Im Neubau lässt sich die Elektroinstallation von Grund auf nach Ihren Bedürfnissen planen, ohne Rücksicht auf alte Leitungen oder nachträgliche Aufputzkanäle. Was in dieser Phase festgelegt wird, bestimmt für Jahrzehnte, wie gut sich das Haus nutzen und erweitern lässt. Änderungen nach dem Verputzen sind dagegen aufwendig.

Warum frühe Planung wichtig ist

Leitungen verlaufen durch Wände, Decken und Böden. Sobald Putz und Estrich eingebracht sind, bedeutet jede Änderung Stemmarbeiten. Wer schon in der Rohbauphase plant, kann Leerrohre mit einlegen, Leitungswege sinnvoll führen und spätere Erweiterungen vorbereiten.

Außerdem müssen die Gewerke aufeinander abgestimmt werden. Der Elektriker muss wissen, wo Bad, Küche und Technikraum liegen. Der Heizungsbauer braucht Angaben zur Wärmepumpe, der Elektriker zur geplanten Wallbox und Photovoltaikanlage. Solche Abhängigkeiten lassen sich nur lösen, wenn alle Beteiligten rechtzeitig miteinander sprechen.

Grundlage der Planung ist die Normenreihe DIN 18015 für elektrische Anlagen in Wohngebäuden: Teil 1 enthält die Planungsgrundlagen, Teil 2 die Mindestausstattung, Teil 3 die Leitungsführung und Teil 4 die Gebäudesystemtechnik, also Smart Home.

Wie viele Steckdosen? Die Ausstattungswerte nach RAL-RG 678

Eine der häufigsten Klagen nach dem Einzug lautet: zu wenige Steckdosen. Mehrfachstecker und Verlängerungen sind unpraktisch und im Dauerbetrieb nicht ohne Risiko. Eine gute Orientierung bietet die Richtlinie RAL-RG 678 (Ausgabe Februar 2023). Sie unterscheidet drei Ausstattungswerte:

  • Ausstattungswert 1: Mindestausstattung nach DIN 18015-2
  • Ausstattungswert 2: Standardausstattung
  • Ausstattungswert 3: Komfortausstattung

Dazu kommen die Werte 1plus bis 3plus für die Vorbereitung und den Einbau von Smart-Home-Technik nach DIN 18015-4. Einige Beispiele aus den Tabellen der Richtlinie (allgemeine Steckdosen; in Klammern zusätzliche Steckdosen an Telefon-, Daten- und TV-Anschlüssen):

Raum Wert 1 Wert 2 Wert 3
Wohnzimmer bis 20 m² 4 (+3) 8 (+4) 10 (+8)
Wohnzimmer über 20 m² 5 (+5) 11 (+8) 13 (+12)
Schlaf-, Kinder-, Gästezimmer bis 16 m² 6 (+2) 8 (+3) 10 (+4)
Arbeitszimmer 4 (+4) 8 (+6) 12 (+8)
Küche 3, dazu 2 je 1,20 m Arbeitsfläche 3, dazu 3 je 1,20 m Arbeitsfläche 5, dazu 3 je 1,20 m Arbeitsfläche
Bad 2 4 5
Flur bis 4 m Länge 1 2 3

In der Küche kommen Anschlüsse für Kühlgerät und Dunstabzug hinzu, außerdem eigene Stromkreise für Elektroherd, Mikrowelle oder Dampfgarer und Geschirrspüler sowie, einmal je Wohnung, für Waschmaschine und Wäschetrockner. Für ein neues Einfamilienhaus lohnt es sich, mindestens den Ausstattungswert 2 zu besprechen. Was heute großzügig wirkt, ist mit jedem weiteren Gerät schnell belegt.

Auch die Zahl der Stromkreise ist geregelt: Schon die Mindestausstattung sieht bei mehr als 125 m² Wohnfläche sieben Stromkreise für Beleuchtung und Steckdosen vor, zusätzlich zu den Stromkreisen für große Geräte. Ab Ausstattungswert 2 bekommen die meisten Räume einen eigenen Stromkreis.

Leitungen in Installationszonen

DIN 18015-3 legt fest, wo unsichtbar verlegte Leitungen in der Wand verlaufen sollen. Das hat einen praktischen Nutzen: Wer später ein Bild aufhängt oder ein Regal montiert, weiß, wo er nicht bohren sollte. Die Zonen in Innenräumen:

  • Waagerecht: 15 bis 45 cm unter der Decke, 15 bis 45 cm über dem Fußboden und 100 bis 130 cm über dem Fußboden (an Wänden mit Arbeitsflächen, etwa in der Küche)
  • Senkrecht: 10 bis 30 cm neben Türen, Fenstern und Wandecken
  • Vorzugshöhen: Schalter in 105 cm Höhe, Steckdosen in 30 cm Höhe über dem fertigen Fußboden; in Küchen und Hausarbeitsräumen sind Abweichungen möglich

Lassen Sie sich Abweichungen dokumentieren und fotografieren Sie die Leitungswege vor dem Verputzen. Diese Fotos helfen bei jeder späteren Änderung.

Netzwerk: Kabel für feste Geräte

WLAN ist für Smartphones und Tablets unverzichtbar. Für fest stehende Geräte wie Fernseher, Rechner, Netzwerkspeicher oder Spielkonsole ist ein Netzwerkkabel aber die zuverlässigere Verbindung: Die Bandbreite hängt nicht davon ab, wie viele Geräte gerade im WLAN sind, und Wände dämpfen das Signal nicht.

Bewährt hat sich eine sternförmige Verkabelung: Jede Netzwerkdose führt einzeln zu einem zentralen Verteiler, in dem Router und Netzwerkverteiler (Switch) sitzen. Im Neubau werden häufig Verlegekabel der Kategorie 7 mit Dosen der Kategorie 6A kombiniert, die für 10 Gbit/s ausgelegt sind. Zur Orientierung: Der Ausstattungswert 2 sieht im Wohnzimmer bis 20 m² einen Telefon- oder Datenanschluss und zwei TV- oder Datenanschlüsse vor, im Arbeitszimmer zwei Datenanschlüsse.

Smart Home vorbereiten

Sie müssen beim Einzug kein vollständiges Smart Home haben. Die Voraussetzungen für eine spätere Nachrüstung ohne Stemmarbeiten sollten aber geschaffen sein:

  • Leerrohre oder Busleitung: Leitungsgebundene Systeme wie KNX brauchen eine eigene Busleitung. Wer sich diese Möglichkeit offenhalten will, lässt sie mitverlegen oder zumindest Leerrohre einziehen.
  • Tiefere Unterputzdosen: Übliche Gerätedosen sind rund 40 bis 47 mm tief. Für Aktoren hinter dem Schalter werden tiefere Elektronikdosen mit rund 60 mm und mehr verwendet.
  • Technikschrank: Planen Sie einen Platz für Netzwerk- und Smart-Home-Technik ein, etwa im Hauswirtschaftsraum oder Keller, mit eigener Stromversorgung.

Mehr dazu im Ratgeber Smart Home im Neubau.

Wallbox: die Leitung jetzt legen

Ob Sie heute schon elektrisch fahren oder nicht: Die Vorbereitung für eine Wallbox ist im Neubau deutlich einfacher als eine spätere Nachrüstung, bei der Wände geöffnet oder Pflasterflächen aufgenommen werden müssen. Die Richtlinie RAL-RG 678 sieht dafür einen eigenen Anschluss in der Garage vor, wenn dort eine Ladeeinrichtung geplant ist.

  • Eigener Stromkreis vom Zählerschrank zum Stellplatz. Den Leitungsquerschnitt legen wir nach Ladeleistung, Leitungslänge und Verlegeart fest. Wer später mit 22 kW laden möchte, sollte das gleich einplanen.
  • Fehlerstromschutz: Nach DIN VDE 0100-722 muss jeder Ladepunkt über einen Fehlerstromschutzschalter geschützt sein, der auch Gleichfehlerströme beherrscht: entweder ein Gerät vom Typ B oder ein Gerät vom Typ A zusammen mit einer Gleichfehlerstromerkennung in der Wallbox.
  • Leerrohr zum Stellplatz als Mindestlösung, wenn die Wallbox noch nicht gleich kommt, dazu ein Leerrohr für eine Datenleitung.
  • Anmeldung: Wallboxen bis 11 kW müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden, Wallboxen mit mehr als 11 kW brauchen zusätzlich seine Genehmigung. Der Netzbetreiber muss innerhalb von zwei Monaten antworten.
  • Steuerbarkeit: Neue Wallboxen mit mehr als 4,2 kW gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf ihre Leistung bei drohender Netzüberlastung vorübergehend auf 4,2 kW begrenzen, im Gegenzug sinkt das Netzentgelt. Dafür braucht es Platz im Zählerschrank.

Photovoltaik: Leerrohr zum Dach

Auch wer eine Photovoltaikanlage erst Jahre nach dem Einzug plant, sollte im Neubau die Voraussetzungen schaffen:

  • Leerrohr vom Dachboden zum Zählerschrank oder Technikraum, ausreichend groß für die Gleichstromleitungen der Module und eine Datenleitung
  • Platz im Zählerschrank für Wechselrichteranschluss, Messsystem und einen möglichen Batteriespeicher
  • Platz für den Wechselrichter und gegebenenfalls einen Speicher im Technikraum

Seit dem 25. Februar 2025 müssen neue Photovoltaikanlagen ab 7 kWp mit einem intelligenten Messsystem und einer Steuerungseinrichtung ausgestattet werden. Was eine Anlage kostet, lesen Sie im Ratgeber Was kostet eine Photovoltaikanlage?, eine erste Einschätzung liefert der Solarrechner.

Beleuchtung: mehr als ein Deckenauslass

Planen Sie das Licht von Anfang an in mehreren Ebenen:

  • Grundbeleuchtung über Deckenauslässe, möglichst dimmbar
  • Arbeits- und Akzentlicht über eigene Schaltkreise, etwa für Küchenunterbauleuchten, Wandleuchten oder Regalbeleuchtung
  • Dimmbarkeit: Nicht jede LED-Lampe lässt sich dimmen, und nicht jeder Dimmer passt zu jeder LED. Die Kombination sollte vorab feststehen.
  • Lichtszenen: Mit mehreren Lichtkreisen pro Raum lassen sich später Stimmungen per Taster oder App abrufen.
  • Außenbeleuchtung: Auslässe und Bewegungsmelder an Eingang, Garage und Garten früh einplanen

Mehr dazu im Ratgeber Beleuchtung richtig planen.

Zählerschrank und Stromkreisverteiler

Zählerschrank und Verteiler werden im Neubau oft zu klein geplant. Neue Technik wie Messsystem, Steuerbox, Photovoltaik, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe braucht Platz.

  • Technische Anschlussregeln: Die Anforderungen an Zählerplätze stehen in der VDE-AR-N 4100 (aktuelle Ausgabe 2026-04) und in den technischen Anschlussbedingungen Ihres Netzbetreibers.
  • Größe des Verteilers: Die RAL-RG 678 verlangt in Wohnungen mit mehreren Räumen mindestens einen vierreihigen Stromkreisverteiler. Ab Ausstattungswert 2 richtet sich die Größe nach den einzubauenden Geräten zuzüglich Reserveplätzen.
  • Unterverteilung für Garage, Keller oder Außenbereich, wenn diese weit vom Hauptverteiler entfernt liegen.
  • Überspannungsschutz: DIN 18015-1 verweist hierzu auf DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534. In neuen Wohngebäuden gehört ein Überspannungsschutz danach in aller Regel dazu.
  • Fehlerstromschutz: Verteilen Sie die Stromkreise auf mehrere Fehlerstromschutzschalter. So legt ein einzelner Fehler nicht das ganze Haus lahm.

Reserveplätze lassen sich im Neubau einfach einplanen. Ein späterer Umbau oder Austausch des Zählerschranks ist dagegen aufwendig.

Abstimmung mit anderen Gewerken

Die Elektroinstallation hängt eng mit anderen Gewerken zusammen:

  • Heizung und Wärmepumpe: Stromanschluss, Steuerleitung, Steuerbox nach § 14a EnWG, gegebenenfalls separater Zähler
  • Lüftungsanlage: Stromanschluss, Steuerung, Meldung für den Filterwechsel
  • Sanitär: Schutzbereiche im Bad nach DIN VDE 0100-701 festlegen
  • Trockenbau: Dosenpositionen und Leitungswege vor dem Beplanken festlegen
  • Estrich: Leerrohre im Boden vor dem Einbringen des Estrichs verlegen

Tipp: Legen Sie die Leitungsführung in einer gemeinsamen Baubesprechung mit allen Gewerken im Grundriss fest. Das vermeidet Kollisionen und Nacharbeiten.

Planung mit uns

Neuberger Elektrotechnik plant und installiert die Elektroinstallation im Neubau in Essen (Oldenburg) und Umgebung, vom Zählerschrank über Netzwerk und Smart-Home-Vorbereitung bis zur Wallbox. Am besten sprechen Sie uns an, bevor der Rohbau steht: Kontakt.

Quellen

  1. HEA: RAL-RG 678, Anforderungen an elektrische Anlagen in Wohngebäuden (Ausgabe Februar 2023)
  2. DIN Media: DIN 18015-1:2020-05, Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Teil 1: Planungsgrundlagen
  3. Baunetz Wissen: Leitungsverlegung und Installationszonen
  4. ADAC: Wallbox fürs Elektroauto anmelden
  5. Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG
  6. VDE FNN: Technische Anschlussregeln für die Niederspannung
  7. Verbraucherzentrale: EEG 2023/24: Was heute für Photovoltaik-Anlagen gilt (Stand 01.08.2026)

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