Eine Wärmepumpe heizt mit Strom, eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom auf dem eigenen Dach. Die Kombination liegt nahe: Ein Teil des Heizstroms kommt vom Dach statt aus dem Netz. Wie groß dieser Teil ist, hängt aber stark von der Jahreszeit ab. Wer das bei der Planung berücksichtigt, kann Anlagengröße, Speicher und Steuerung passend wählen und realistische Erwartungen an die Ersparnis haben.
Warum die Kombination sinnvoll ist
Eine Wärmepumpe nutzt Wärme aus Außenluft, Erdreich oder Grundwasser und hebt sie mit Strom auf Heiztemperatur. Wie effizient das gelingt, beschreibt die Jahresarbeitszahl: das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein ganzes Jahr. In einem Feldtest des Fraunhofer ISE in bestehenden Einfamilienhäusern erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen im Messjahr 2022/2023 im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,3 (Spanne 2,4 bis 4,0), Erdwärmepumpen lagen zwischen 3,6 und 5,2. Aus einer Kilowattstunde Strom werden also im Mittel gut drei Kilowattstunden Wärme.
Der größte laufende Kostenpunkt ist damit der Strompreis. Haushalte zahlen 2026 im Mittel 37,0 Cent je kWh (BDEW, Musterhaushalt mit 3.500 kWh; spezielle Wärmepumpentarife sind darin nicht enthalten). Strom aus einer kleinen Dachanlage kostet über die Lebensdauer gerechnet etwa 6 bis 14 Cent je kWh (Fraunhofer ISE). Jede Kilowattstunde, die die Wärmepumpe direkt vom Dach bezieht, ersetzt teuren Netzstrom, statt für 7,70 Cent je kWh eingespeist zu werden (Einspeisevergütung bei Inbetriebnahme bis 31. Dezember 2026, siehe Ratgeber Was kostet eine Photovoltaikanlage?).
Das Kernproblem: Sonne im Sommer, Heizbedarf im Winter
Wärmepumpe und Photovoltaik arbeiten gegenläufig. Die Wärmepumpe braucht den meisten Strom in den kalten Monaten, die Photovoltaikanlage liefert dann am wenigsten.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine Berechnung mit dem EU-Werkzeug PVGIS für Essen (Oldenburg): Eine nach Süden ausgerichtete Anlage mit 35 Grad Neigung erzeugt im Jahr rund 1.000 kWh je kWp. Davon entfallen auf den Dezember nur etwa 25 kWh, auf den Januar etwa 28 kWh, auf den Juni dagegen etwa 126 kWh. Im Hochwinter liefert die Anlage also nur rund ein Fünftel dessen, was sie im Sommer erzeugt.
Daraus folgt: Im Winter kommt der größte Teil des Wärmepumpenstroms weiterhin aus dem Netz, unabhängig davon, wie groß die Anlage ist. Im Sommer entsteht dagegen viel Überschuss, während die Wärmepumpe überwiegend Warmwasser bereitet.
Wie viel Strom braucht die Wärmepumpe?
Eine einfache Faustformel: Jahreswärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl ergibt den Jahresstromverbrauch der Wärmepumpe. Ein Beispiel: Braucht ein Haus für Heizung und Warmwasser 15.000 kWh Wärme im Jahr und erreicht die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,3, liegt ihr Stromverbrauch bei rund 4.500 kWh.
Dazu kommt der übrige Haushaltsstrom. Ein Vier-Personen-Haushalt im Einfamilienhaus verbraucht laut Stromspiegel im Mittel 3.800 kWh im Jahr, wenn das Warmwasser nicht elektrisch erzeugt wird. Im Beispiel steigt der gesamte Strombedarf mit Wärmepumpe also auf rund 8.300 kWh. Einen guten Anhaltspunkt für den Wärmebedarf Ihres Hauses liefern der Energieausweis oder der bisherige Verbrauch der alten Heizung.
Drei Stellschrauben
1. Die Dachfläche gut nutzen
Eine größere Anlage erhöht den Anteil des Strombedarfs, der vom Dach gedeckt wird, auch in den Übergangsmonaten und an hellen Wintertagen. Gleichzeitig sinkt der Anteil des Solarstroms, den Sie selbst nutzen, weil im Sommer mehr Überschuss entsteht (Fraunhofer ISE). Wie viel Überschuss sich lohnt, hängt von der Einspeisevergütung ab. Für Anlagen, die ab 2027 in Betrieb gehen, plant die Bundesregierung hier grundlegende Änderungen (Einzelheiten im Ratgeber Was kostet eine Photovoltaikanlage?).
Auch Ost- und Westdächer kommen infrage. Nach PVGIS liefern sie in Essen (Oldenburg) rund 800 kWh je kWp und Jahr, also etwa ein Fünftel weniger als ein Süddach. Dafür verteilen sie die Erzeugung über den Tag und liefern morgens und am späten Nachmittag mehr Strom, wenn die Wärmepumpe häufig läuft. Laut Fraunhofer ISE können sich solche Flächen bei hohen Strombezugspreisen und Eigenverbrauch trotzdem lohnen.
2. Ein Batteriespeicher für den Tagesausgleich
Ein Batteriespeicher verschiebt Solarstrom von der Mittagszeit in den Abend und die Nacht. Haushalte können ihren Eigenverbrauch damit laut Fraunhofer ISE typischerweise verdoppeln. Einen Ausgleich zwischen Sommer und Winter schafft ein Hausspeicher dagegen nicht: Er wird an einem Tag geladen und am selben Abend oder in der Nacht wieder entladen. Am stärksten wirkt er im Frühjahr und Herbst, wenn tagsüber genug Sonne da ist und die Wärmepumpe abends noch heizt. Preise für Speicher finden Sie im Ratgeber Was kostet eine Photovoltaikanlage?.
3. Die Wärmepumpe gezielt steuern
Viele Wärmepumpen haben eine Schnittstelle, über die sie Signale eines Wechselrichters oder Energiemanagementsystems empfangen (zum Beispiel SG Ready). Dann heizt die Wärmepumpe bevorzugt, wenn die Photovoltaikanlage Überschuss liefert. Warmwasserspeicher und Gebäude dienen dabei als Wärmespeicher: Das Wasser wird mittags etwas stärker erwärmt, die Räume etwas wärmer, und diese Wärme steht am Abend noch zur Verfügung. Diese Steuerung sollte von Anfang an eingeplant werden, damit Schnittstellen und Leitungen vorhanden sind.
Wie viel Eigenverbrauch ist realistisch?
Pauschale Prozentwerte helfen hier wenig. Zur Orientierung: Haushalte ohne Wärmepumpe und ohne Speicher nutzen je nach Anlagengröße 20 bis 40 Prozent des erzeugten Solarstroms selbst (Fraunhofer ISE), ein Speicher verdoppelt diesen Wert typischerweise. Eine Wärmepumpe erhöht den Stromverbrauch vor allem in sonnenarmen Monaten. Der Eigenverbrauch steigt deshalb weniger stark, als die zusätzliche Strommenge vermuten lässt.
Eine vollständige Deckung des Heizstroms durch die eigene Anlage ist bei den Wintererträgen in Norddeutschland nicht möglich. Sinnvolles Ziel ist, möglichst viel Netzstrom durch eigenen Strom zu ersetzen, ohne die Anlage auf den Winter auszulegen. Wie das für Ihr Haus aussieht, lässt sich nur mit Ihren Verbrauchsdaten und Ihrer Dachfläche berechnen. Eine erste Einschätzung liefert unser Solarrechner.
Regeln und Förderung 2026
Steuerbare Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG)
Neue Wärmepumpen und Wallboxen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gehen, müssen steuerbar sein. Der Netzbetreiber darf ihren Strombezug vorübergehend auf 4,2 kW reduzieren, wenn eine Überlastung des örtlichen Netzes droht. Diese Mindestleistung steht immer zur Verfügung, die Wärmepumpe läuft also weiter. Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage wird auf die 4,2 kW nicht angerechnet.
Im Gegenzug sinkt das Netzentgelt. Laut Bundesnetzagentur gibt es drei Module:
- Modul 1: pauschale Reduzierung, je nach Netzgebiet etwa 110 bis 190 Euro im Jahr (Stand 2023).
- Modul 2: Der Netzentgelt-Arbeitspreis sinkt auf 40 Prozent. Voraussetzung ist ein separater Zähler für die Wärmepumpe. Diese Variante kann sich laut Bundesnetzagentur besonders für Wärmepumpen eignen.
- Modul 3: zeitabhängige Netzentgelte, seit April 2025 in Kombination mit Modul 1 wählbar.
Für Steuerbox, Messsystem und gegebenenfalls einen zweiten Zähler muss im Zählerschrank Platz sein.
Förderung der Wärmepumpe
Die KfW fördert den Einbau einer Wärmepumpe in bestehenden Wohngebäuden mit einem Zuschuss (Programm 458). Voraussetzung ist unter anderem, dass der Bauantrag mindestens fünf Jahre zurückliegt; für Neubauten gilt dieses Programm nicht. Stand Oktober 2026:
- Grundförderung: 30 Prozent der förderfähigen Kosten.
- Klimageschwindigkeitsbonus: 16 Prozent für selbst genutztes Wohneigentum, wenn eine funktionstüchtige Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder eine mindestens 20 Jahre alte Gas- oder Biomasseheizung ersetzt wird. Der Bonus sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte und entfällt für Anträge ab dem 1. August 2028.
- Einkommensbonus: 10 bis 40 Prozent für selbst nutzende Eigentümer, abhängig vom zu versteuernden Haushaltseinkommen.
- Obergrenze: insgesamt höchstens 80 Prozent; beim Einfamilienhaus werden Kosten bis 28.000 Euro berücksichtigt. Dieser Höchstbetrag sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 750 Euro.
Zur Förderung gehört die Optimierung des Heizungssystems einschließlich hydraulischem Abgleich. Vor dem Antrag ist eine Bestätigung durch ein Fachunternehmen oder eine Energieeffizienz-Expertin oder einen Energieeffizienz-Experten nötig. Die Förderung steht unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel. Prüfen Sie die Bedingungen vor der Auftragsvergabe direkt bei der KfW, weil sie sich regelmäßig ändern.
Die Photovoltaikanlage selbst wird vor allem über den Nullsteuersatz beim Kauf und die Einspeisevergütung gefördert. Einzelheiten stehen im Ratgeber Was kostet eine Photovoltaikanlage?.
Worauf Sie bei der Planung achten sollten
- Gemeinsam planen: Wärmepumpe, Photovoltaik, Speicher und Zählerschrank sollten aufeinander abgestimmt werden, bevor Aufträge vergeben werden. Heizungsbau und Elektro müssen dabei eng zusammenarbeiten.
- Wechselrichter: Soll ein Speicher dazukommen, vereinfacht ein Hybridwechselrichter oft den Aufbau, weil Module und Batterie an einem Gerät hängen.
- Schnittstellen: Klären Sie vorab, über welche Schnittstelle Wärmepumpe, Wechselrichter und gegebenenfalls Wallbox miteinander sprechen.
- Zählerschrank: Planen Sie Platz für intelligentes Messsystem, Steuerbox und gegebenenfalls einen separaten Wärmepumpenzähler ein.
- Einspeisung: Neue Anlagen ohne intelligentes Messsystem und Steuerbox dürfen höchstens 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen. Eine gesteuerte Wärmepumpe und ein Speicher helfen, Mittagsspitzen im Haus zu nutzen, statt sie abzuregeln.
Berechnen und beraten lassen
Wie groß die Photovoltaikanlage sein sollte, ob sich ein Speicher lohnt und wie viel Eigenverbrauch Sie erreichen, hängt von Dachfläche, Wärmebedarf, Wärmepumpe und Ihrem Alltag ab. Eine erste Einschätzung liefert der Solarrechner.
Neuberger Elektrotechnik plant und installiert Photovoltaikanlagen mit Speicher, passt den Zählerschrank an und übernimmt die Anmeldung beim Netzbetreiber. Für ein Gespräch zu Ihrem Vorhaben erreichen Sie uns über die Kontaktseite.
Quellen
- Fraunhofer ISE: Wärmepumpenfeldtest, Zwischenergebnisse bestätigen effizienten Betrieb auch im Altbau (01.03.2024)
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland (Fassung vom 20.08.2026)
- Europäische Kommission, Gemeinsame Forschungsstelle: PVGIS (Ertragsberechnung für Photovoltaik)
- Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG
- KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen, Wohngebäude (458)
- BDEW: Strompreisanalyse (August 2026)
- co2online: Stromspiegel, Stromverbrauch im Haushalt